Heftiger Streit zwischen französischem Journalisten und ATP-Chef über Masters-Spielplan
Während der Masters 1000-Saison kritisiert ein französischer Journalist ATP-Präsident Gaudenzi scharf wegen des engen Turnierkalenders und der Belastung der Spieler.

Masters 1000-Turniere im Zentrum der Debatte
Der Spielplan der Masters 1000-Turniere sorgt in der Profi-Tenniswelt immer wieder für hitzige Diskussionen. Die neun Turniere, die sich von März bis November über die gesamte Saison erstrecken, sind ein zentraler Anziehungspunkt für Spieler, Fans und Medien. Doch die hohe Frequenz und der dichte Kalender belasten die Spieler physisch stark, da sie versuchen, Fitness, Erholung und intensive Wettkämpfe unter einen Hut zu bringen. Die Kritik erreicht derzeit neue Höchststände, während das Masters in Kanada läuft und das Masters in Cincinnati in wenigen Tagen beginnt – mit nur elf Tagen Abstand.
Benoît Maylin kritisiert ATP-Präsidenten scharf
Der französische Tennisjournalist Benoît Maylin, bekannt für seine fachkundigen Analysen, spart nicht mit harscher Kritik an ATP-Präsident Andrea Gaudenzi. In der Sportsendung Sans Filet attackierte Maylin die Turnierplanung und behauptete, die aktuelle Politik schade dem Stellenwert der Turniere und dem Tennis insgesamt erheblich. „Gaudenzi bringt das Tennis um,“ sagte Maylin, „früher waren die Masters-Turniere heilig, heute nehmen die Spieler sie einfach nicht mehr ernst. Sie konzentrieren sich darauf, am Saisonende Boni zu kassieren und ihre Fitness zu managen, weil sie innerhalb von 12 Tagen zwei Masters-Turniere absolvieren müssen – vor einem wichtigen Grand Slam.“
Maylin betont, dass der dichte Spielplan die Spieler zwinge, unter hoher Belastung zu spielen, was das Verletzungsrisiko erhöhe und die Attraktivität der Turniere mindere. Zudem hätten die Spieler kaum Zeit zur Regeneration zwischen den Matches, was die Spielqualität und die Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtige.
Reaktion des ATP-Präsidenten und die Realität vor Ort
Andrea Gaudenzi verteidigte den Turnierkalender und erklärte, es handele sich um ein flexibles System, das den Spielern ermögliche, die Turniere auszuwählen, an denen sie teilnehmen möchten. Seinen Worten zufolge sei „Tennis einzigartig, weil ein Spieler innerhalb von zwei Wochen ein Match oder sieben Matches spielen kann. Die Spieler sind unabhängige Auftragnehmer und organisieren ihren Kalender entsprechend ihrer Fitness und Ziele.“
Gaudenzi fügte hinzu, dass Spieler, die bei großen Turnieren weit kommen, weniger andere Events bestreiten, um ihre Fitness zu schonen, während andere mehr Turniere spielen, um Punkte und Ranking zu sammeln. Dennoch stelle der aktuelle Aufbau des Kalenders, mit aufeinanderfolgenden Turnieren wie den Masters in Kanada und Cincinnati, eine erhebliche physische Belastung für die Spieler dar.
Bedeutung der Turniere und Herausforderungen für die Zukunft
Die Masters 1000-Turniere gehören zu den wichtigsten Events nach den vier Grand Slams. Sie vergeben bedeutende Ranglistenpunkte, hohe Preisgelder und bieten den Spielern die Chance, sich gegen die weltbesten Gegner zu beweisen. Dennoch erzeugen die hohe Frequenz und der enge Kalender ein komplexes Dilemma: Wie kann man ein hohes Wettbewerbsniveau und eine hohe Wertschätzung der Turniere bewahren, ohne die Gesundheit und Erholungsfähigkeit der Spieler zu gefährden?
Die scharfe Kritik von Maylin weist auf die Notwendigkeit hin, den Turnierkalender zu überdenken – möglicherweise durch eine Reduzierung der Anzahl der Turniere oder durch längere Pausen zwischen den Events. Andererseits steht die ATP unter wirtschaftlichem Druck und Marktanforderungen, die eine kontinuierliche Präsenz des Tennissports weltweit verlangen. Die Zukunft wird zeigen, ob ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Interessen gefunden werden kann, um gesundes, wettbewerbsfähiges und spannendes Tennis zu fördern.